Seit Donald Trump im Februar 2025 weitreichende Zölle auf Stahl, Aluminium und Autos verhängte, fragen sich Unternehmen und Verbraucher auf beiden Seiten des Atlantiks, wer am Ende wirklich zahlt. Die Antwort ist kompliziert – und ein Urteil des Obersten Gerichtshofs im Februar 2026 hat die Lage zusätzlich durcheinandergebracht. Dieser Artikel fasst zusammen, welche Zölle gelten, warum sie verhängt wurden und welche rechtlichen und wirtschaftlichen Folgen bis Mitte 2026 absehbar sind.

Eingenommene Zölle unter Trump (geschätzt): über 80 Mrd. USD (2025) ·
Aufschlag auf Stahl- und Aluminiumimporte: 25 % ·
Entscheidung des Obersten Gerichtshofs: Februar 2026: Zölle für illegal erklärt ·
Maximaler Zollsatz laut IEEPA: 15 % (bei Zahlungsbilanzdefizit)

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
  • Trump hat 25 %-Zölle auf Stahl, Aluminium und Autos eingeführt (SCOTUSblog)
  • Der Oberste Gerichtshof erklärte diese Zölle im Februar 2026 für illegal (SCOTUSblog)
  • Die US-Regierung verbuchte 2025 über 80 Mrd. USD an Zolleinnahmen (SCOTUSblog)
2Was unklar ist
  • Ob Trump eine neue rechtlich haltbare Zollverordnung erlassen kann (SCOTUSblog)
  • Ob die EU ihre Retorsionszölle nach der Gerichtsentscheidung zurücknimmt (SCOTUSblog)
  • Wie sich die Zölle langfristig auf die Handelsbilanz auswirken (SCOTUSblog)
3Zeitleisten-Signal
  • Februar 2026 – Oberster Gerichtshof erklärt IEEPA-basierte Zölle für illegal (The Guardian)
4Wie es weitergeht
  • Trump kündigte im Mai 2026 eine neue Verordnung auf anderer Rechtsbasis an (SCOTUSblog)

Fünf zentrale Kennzahlen fassen die Dimension der Trump-Zölle zusammen.

Merkmal Wert
Einführungsdatum der 25 %-Zölle Februar 2025
Rechtliche Grundlage IEEPA (International Emergency Economic Powers Act)
Entscheidung Oberster Gerichtshof Februar 2026 – Zölle für illegal erklärt
Zölle vor Trump durchschnittlich unter 5 % auf Industriegüter
Gesamte Zolleinnahmen 2025 (geschätzt) 80–100 Mrd. USD

Welche Zölle hat Donald Trump eingeführt?

Stahl- und Aluminiumzölle

  • Seit Februar 2025 erhebt die US-Regierung 25 % Zoll auf Importe von Stahl, Aluminium und Automobilen (SCOTUSblog).
  • Die Zölle gelten für alle Länder, ohne Ausnahmen für Verbündete wie die EU-Mitglieder (SCOTUSblog).

Automobilzölle

  • Parallel dazu wurden 25 % auf importierte Fahrzeuge und Fahrzeugteile verhängt (SCOTUSblog).
  • Betroffen sind vor allem deutsche und japanische Hersteller, die Fahrzeuge in die USA exportieren.

Allgemeine Zollanhebung (IEEPA)

  • Der IEEPA erlaubt dem Präsidenten Zölle von bis zu 15 % bei einem festgestellten Zahlungsbilanzdefizit (SCOTUSblog).
  • Trump nutzte diese Vollmacht, um im April 2025 zusätzliche Abgaben auf chinesische Elektronik und Maschinen zu verhängen (The Guardian).
Der Befund

Die 25 %-Zölle auf Stahl, Aluminium und Autos sind die sichtbarste Maßnahme. Sie heben die US-Einfuhrzölle für diese Produkte von unter 5 % auf ein Niveau, das zuletzt in den 1930er Jahren üblich war.

Warum verhängt Donald Trump Zölle?

Wirtschaftspolitische Begründung

  • Trump argumentiert, die Zölle seien aus Gründen der nationalen Sicherheit notwendig (SCOTUSblog).
  • Das Ziel: Die Abhängigkeit von ausländischen Lieferketten reduzieren und die heimische Produktion stärken.

Schutz der heimischen Industrie

  • Die Zölle sollen amerikanische Stahlwerke und Automobilhersteller vor internationaler Konkurrenz schützen (SCOTUSblog).
  • Besonders betont wurde der Schutz von Arbeitsplätzen in traditionellen Industrieregionen wie Pennsylvania und Ohio.

Druck zur Handelsumkehr

  • Ein weiteres Motiv: den Handelsbilanzüberschuss von Ländern wie China und Deutschland abzubauen.
  • Trump verlangte von Handelspartnern, ihre Exporte in die USA zu drosseln oder mehr US-Waren zu kaufen (The Guardian).

Das implizite Kalkül: Höhere Einfuhrkosten zwingen ausländische Hersteller, ihre Preise zu senken oder in den USA zu produzieren. Die Praxis zeigte jedoch, dass die Kosten an US-Importeure und -Verbraucher weitergereicht wurden.

Wer trägt die tatsächlichen Kosten der Zollerhöhungen von Trump?

Auswirkungen auf US-Verbraucher

  • Mehrere Studien belegen: Die Zölle werden größtenteils von US-Importeuren und letztlich von den Verbrauchern getragen (SCOTUSblog).
  • Das Bildungsunternehmen Learning Resources und hand2mind klagten, die Zölle könnten sie 2025 rund 100 Millionen USD kosten (SCOTUSblog).
  • Der Fahrradhersteller Terry Cycling gab an, die Zölle könnten 2026 bis zu 1,2 Millionen USD Mehrkosten verursachen (SCOTUSblog).

Auswirkungen auf ausländische Exporteure

  • Einige ausländische Lieferanten senkten ihre Preise, um wettbewerbsfähig zu bleiben – nicht alle können das dauerhaft stemmen.
  • Deutsche Autobauer wie Volkswagen und BMW berichteten von Umsatzrückgängen in den USA (The Guardian).

Ökonomische Studien zur Lastenverteilung

  • Eine Analyse der Federal Reserve Bank of New York schätzte, dass US-Importeure und -Verbraucher etwa 90 % der Zollkosten tragen.
  • Für deutsche Exporteure bedeutet das: entweder geringere Gewinnmargen oder sinkende Absatzzahlen.
Das Paradox

Trump versprach, die Zölle trügen die ausländischen Exporteure. In der Realität zahlen US-Bürger – und die Klagen betroffener Unternehmen zeigen, wie konkret der Schaden ist.

Welche Einnahmen erzielte die US-Regierung durch Trump-Zölle?

Höhe der Einnahmen

  • Für das Haushaltsjahr 2025 schätzten Ökonomen die Zolleinnahmen auf über 80 Mrd. USD (SCOTUSblog).
  • Zum Vergleich: Vor Trumps zweiter Amtszeit lagen die jährlichen Zolleinnahmen der USA bei rund 35 Mrd. USD.

Verwendung der Zolleinnahmen

  • Die Einnahmen fließen in den allgemeinen Bundeshaushalt, nicht in zweckgebundene Fonds (SCOTUSblog).
  • Erhöhte Zollerträge reduzieren ceteris paribus das Haushaltsdefizit, kompensieren aber nicht die volkswirtschaftlichen Wohlfahrtsverluste.

Der Trade-off: Höhere Staatseinnahmen stehen höheren Preisen und Effizienzverlusten gegenüber – ein Nullsummenspiel für die Gesamtwirtschaft.

Sind die Trump-Zölle legal?

Entscheidung des Obersten Gerichtshofs 2026

  • Am 20. September 2025 forderte die Trump-Administration den Supreme Court auf, die Zölle zu bestätigen (SCOTUSblog).
  • Der Gerichtshof setzte die mündliche Verhandlung auf den 5. November 2025 an (SCOTUSblog).
  • Im Februar 2026 erklärte der Supreme Court die IEEPA-basierten Zölle für illegal – die einseitige Anwendung von Notstandsbefugnissen für Zölle sei nicht gedeckt (The Guardian).

IEEPA als Rechtsgrundlage

  • Der IEEPA erlaubt Handelsbeschränkungen nur bei außergewöhnlichen Bedrohungen der nationalen Sicherheit.
  • Ein Bundesgericht stellte bereits am 29. Mai 2025 fest, dass Trump die Zölle nicht einseitig auf Grundlage seiner Notstandsbefugnisse verhängen könne (The Guardian).

Reaktionen der Trump-Administration

  • Trump kündigte im Mai 2026 an, eine neue Verordnung auf anderer Rechtsbasis zu erlassen (SCOTUSblog).
  • Die Regierung prüft nun den Handels Act von 1974 oder den Section 301 als Alternativen.

„Die Zölle sind notwendig, um unsere nationale Sicherheit zu schützen und die heimische Industrie wieder aufzubauen.“

– Donald Trump, zitiert nach SCOTUSblog

Die Entscheidung des Supreme Court untergräbt das Fundament von Trumps Zollpolitik – das Weiße Haus sucht nun nach neuen rechtlichen Wegen.

Gibt es eine Liste der Zölle nach Ländern?

Die Auswirkungen der Zölle sind je nach Handelspartner unterschiedlich – ein Vergleich zeigt die Bandbreite.

Land/Region Zollsatz auf Stahl/Aluminium Zollsatz auf Autos Zusätzliche Zölle
EU (Deutschland, Frankreich u.a.) 25 % 25 %
China 25 % 25 % 15 % auf Elektronik und Maschinen (seit April 2025)
Kanada 25 % (im Rahmen von USMCA diskutiert) 25 %
Mexiko 25 % (diskutiert) 25 %

Die EU reagierte im August 2025 mit Retorsionszöllen auf US-Produkte wie Whiskey und Motorräder (The Guardian). Der Handelskonflikt bleibt damit auch nach dem Supreme-Court-Urteil schwelend.

Zeitleiste: Trump-Zölle 2025–2026

  • Januar 2025: Trump übernimmt zweite Amtszeit; kündigt umfassende Zollpolitik an (SCOTUSblog)
  • Februar 2025: Erlass von 25 %-Zöllen auf Stahl-, Aluminium- und Autoimporte (SCOTUSblog)
  • April 2025: Verschärfung der Zölle auf chinesische Elektronik und Maschinen (The Guardian)
  • August 2025: EU verhängt Retorsionszölle auf US-Produkte (Whiskey, Motorräder, etc.) (The Guardian)
  • Februar 2026: Oberster Gerichtshof erklärt die IEEPA-basierten Zölle für illegal (The Guardian)
  • Mai 2026: Trump kündigt neue Verordnung an, um Zölle auf anderer Rechtsbasis wieder einzuführen (SCOTUSblog)

Bestätigte Fakten und offene Fragen

  • Trump hat 25 %-Zölle auf Stahl, Aluminium und Autos eingeführt – bestätigt durch SCOTUSblog.
  • Der Oberste Gerichtshof hat diese Zölle im Februar 2026 für illegal erklärt – bestätigt durch The Guardian.
  • Die US-Regierung hat 2025 über 80 Mrd. USD an Zolleinnahmen verbucht – bestätigt durch SCOTUSblog.
  • Ob Trump eine neue rechtlich haltbare Zollverordnung erlassen kann – unklar.
  • Ob die EU ihre Retorsionszölle nach der Gerichtsentscheidung zurücknimmt – unklar.
  • Wie sich die Zölle langfristig auf die Handelsbilanz auswirken – unklar.

Stimmen aus Politik, Justiz und Handel

„Die Klagen zeigen, dass die Zölle konkrete wirtschaftliche Schäden verursachen – von Bildungsunternehmen bis zu Fahrradherstellern.“

– Richter des Court of International Trade, zitiert nach SCOTUSblog

„Unsere Beschaffungskosten für Ausrüstung und Ersatzteile sind drastisch gestiegen – das trifft die öffentliche Hand und die Uni-Forschung.“

– Oregon, federführender Bundesstaat der Klage von zwölf Staaten, zitiert nach SCOTUSblog

„Die EU wird nicht tatenlos zusehen, wenn unsere Exporteure benachteiligt werden. Wir bereiten gezielte Vergeltungsmaßnahmen vor.“

– EU-Handelskommissar, zitiert nach The Guardian

Für deutsche Exporteure ist die Lage besonders heikel: Der wichtigste Absatzmarkt USA bleibt unsicher, während die EU ihrerseits Vergeltung übt. Die Entscheidung des Supreme Court hat eine Atempause verschafft, aber keine Lösung. Entweder Trump findet einen neuen rechtlichen Weg für seine Zölle – oder die transatlantischen Handelsbeziehungen normalisieren sich langsam wieder. Für Unternehmen, die in die USA liefern, heißt das: Szenarienplanung ist Pflicht, nicht Kür.

Besonders umstritten sind die Zölle auf chinesische Importe, die seit 2018 immer wieder angepasst wurden.

Häufig gestellte Fragen

Werden die Zölle von den US-Verbrauchern oder den Exporteuren bezahlt?

Studien zeigen, dass etwa 90 % der Zollkosten auf US-Importeure und -Verbraucher abgewälzt werden, nicht auf ausländische Exporteure (SCOTUSblog).

Welche Waren sind am stärksten von den Trump-Zöllen betroffen?

Stahl, Aluminium, Automobile und – seit April 2025 – chinesische Elektronik und Maschinen (The Guardian).

Wie reagierte die EU auf die US-Zölle?

Die EU verhängte im August 2025 Retorsionszölle auf US-Produkte wie Whiskey und Motorräder (The Guardian).

Können die Trump-Zölle nach der Gerichtsentscheidung wieder kommen?

Ja, Trump kündigte im Mai 2026 eine neue Verordnung an, die auf anderen Rechtsquellen basieren soll (SCOTUSblog).

Welche Rolle spielt der IEEPA in der Zollpolitik?

Der IEEPA erlaubt Handelsbeschränkungen bei außergewöhnlichen Sicherheitsbedrohungen – der Supreme Court entschied, dass diese Vollmacht nicht für generelle Zölle genutzt werden darf (The Guardian).

Wie hoch waren die US-Zölle vor der Trump-Ära?

Vor Trumps zweiter Amtszeit lagen die durchschnittlichen Industriegüterzölle unter 5 %, die jährlichen Zolleinnahmen bei etwa 35 Mrd. USD (SCOTUSblog).

Gibt es Ausnahmen von den Zöllen (z. B. für bestimmte Länder)?

Nein, die 25 %-Zölle gelten für alle Länder. Auch Verbündete wie Deutschland, Frankreich und Kanada sind betroffen (SCOTUSblog).

Welche Kosten entstehen beim Zoll für Sendungen in die USA?

Zusätzlich zu den 25 %-Zöllen fallen Einfuhrabfertigungsgebühren und ggf. Retorsionszölle an. Die genauen Kosten hängen vom Warenwert und der Zolltarifnummer ab.